Religion – M/macht – Raum

Religiöse Machtansprüche und ihre medialen Repräsentationen

Wissenschaftliche Tagung, 21.-23. Oktober 2016, Wuppertal

Vom 21.-23. Oktober 2016 fand in Wuppertal eine Tagung der Fachgruppe Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie (WGTh) sowie des Instituts für Interkulturelle Theologie und Interreligiöse Studien (IITIS) der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel zum Thema „Religion – M/macht – Raum“ statt.

Erste Reihe v. li.: PD Dr. Claudia Jahnel, Prof. Dr. Heike Walz, Prof. Dr. Clemens Six

Organisiert wurde die Tagung durch Prof. Dr. Henning Wrogemann (Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Daniel Cyranka (Universität Halle).

Prof. Dr. Daniel Cyranka (Halle)

Zehn Referentinnen und Referenten, darunter viele Lehrstuhlinhaber/innen im Fach Religions- und Missionswissenschaft/Interkulturelle Theologie, beleuchteten das Thema anhand von Beispielen aus ganz unterschiedlichen Kontexten.

Prof. Dr. Andreas Heuser (Basel)

In den Beiträgen wurden Beispiele aus so unterschiedlichen Gebieten wie Indien (Hindutva und öffentlicher Raum – gegenwärtige Diskurse in Indien, Prof. Dr. Clemens Six, Groningen), Lateinamerika (Religionen und Räume in Argentinien – deskoloniale Perspektiven, Prof. Dr. Heike Walz, Neuendettelsau),

Prof. Dr. Heike Walz, Neuendettelsau

Westafrika (Pentekostale Geltungsansprüche und Medien – Westafrika, Prof. Dr. Andreas Heuser, Basel) oder Russland (Ein religiöser Ost-West-Konflikt? ‚Russland‘ und ‚Westen‘ als Raum-Metaphern und als theologische Kategorien im Diskurs der gegenwärtigen russischen Orthodoxie, Prof. Dr. Joachim Willems, Oldenburg) vor Augen geführt.

Prof. Dr. Joachim Willems, Oldenburg

Unter methodologischem Gesichtspunkt wurden unter anderem Aspekte einer Theorie Interreligiöse Beziehungen (Macht des Raumes und Räume der Macht – Theorie interreligiöser Beziehungen, Prof. Dr. Henning Wrogemann, Wuppertal) diskutiert.

Prof. Dr. Henning Wrogemann (Wuppertal)

Daran anschließend wurde der Bedeutung medialer Repräsentanzen in verschiedenen Religionsformationen nachgegangen, so in den Beiträgen von Ulrich Dehn, Hamburg (Religion, Macht, Raum – Beispiele aus buddhistischen Kontexten), PD Dr. Moritz Fischer, Neuendettelsau (Religion, Macht, Raum – Religionen und Medien in Mega-Städten), PD Dr. Claudia Jahnel, Neuendettelsau (Räume, Mächte und Afrikanische Theologien), Prof. Dr. Daniel Cyranka, Halle (Religion, Macht, Raum – das Beispiel 1989) und Prof. Dr. Klaus Hock, Rostock (Religion macht/Macht Raum – Islamische Präsenzen in Westafrika).

Prof. Dr. Klaus Hock, Rostock

Es gab wiederholt Gelegenheit, die Impulse zu diskutieren. Neben den Fachvertretern nahmen auch Studierende und Promovierende der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel an der Veranstaltung teil.

Diskussionsrunde im Plenum

Die Vorträge der Veranstaltung werden im Jahr 2017 in einem gleichnamigen Tagungsband zugänglich sein.

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Christliches Glaubenszeugnis gegenüber Muslimen?

Kontroverse Diskussion innerhalb der Rheinischen Kirche

von Claudia Währisch-Oblau

Großes Interesse fand am 21. Juni eine Tagung an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel zum Thema „Christliches Glaubenszeugnis gegenüber Muslimen“. Die Tagung wurde organisiert von der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel (vertreten durch Prof. Dr. Henning Wrogemann, IITIS) und dem Amt für Gemeindeentwicklung und Missionarische Dienste (GMD, vertreten durch den Leiter, Pfarrer Christoph Nötzel). Mehr als 150 Teilnehmende diskutierten kontrovers über Mission und interreligiösen Dialog.

Pfarrer Christoph Nötzel (GMD) bei der Begrüßung

Die Veranstaltung war Teil eines Beratungsprozesses innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), die mit etwa 2,3 Millionen Mitgliedern zu den größten evangelischen Landeskirchen in Deutschland zählt. Die Vorträge der Professoren Johannes Zimmermann (Greifswald), Ulrich Körtner (Wien) und Henning Wrogemann (Wuppertal) stellten heraus, dass Christen und Muslime aufgerufen sind, gemeinsam einen konstruktiven Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu leisten, was jedoch ein Zeugnis für den eigenen Glauben nicht aus-, sondern einschließe.

Anlass zu dieser Tagung war eine bereits 2015 veröffentlichte Arbeitshilfe der rheinischen Kirche zum Thema Christen und Muslime, die innerhalb der Kirche ein sehr geteiltes Echo hervorgerufen hatte.

Der Neutestamentler und praktische Theologe Johannes Zimmermann betonte in seinem Vortrag über den „Missionsbefehl“ in Matthäus 28, 16-20, dass dieser Text nur ein Ausdruck der insgesamt missionarischen Ausrichtung des gesamten Neuen Testaments sei. ^

Prof. Dr. Johannes Zimmermann (Greifswald)

Der Systematiker Ulrich Körtner sprach über „Offenbarung und Verborgenheit Gottes angesichts der Religionen“ und hielt fest, dass christlich über Offenbarung nicht außerhalb von Jesus Christus gesprochen werden kann.

Prof. Dr. Ulrich H. J. Körtner (Wien)

Der Missions- und Religionswissenschaftler Henning Wrogemann schließlich verwies darauf, dass sowohl Mission wie interreligiöser Dialog von der Liebe Gottes her gestaltet werden müssen und stets auf das Wirken des Heiligen Geistes angewiesen sind.

Prof. Dr. Henning Wrogemann (Wuppertal)

In der ausführlichen und mit großem persönlichem Engagement geführten Plenardiskussion zum Abschluss des Tages zeigten sich sowohl Konvergenzen wie weiterhin offene Fragen. So betonten mehrere Mitverfasser der Arbeitshilfe, dass diese nicht als eine Absage an ein christliches Zeugnis gegenüber Muslimen verstanden werden dürfe. Andererseits wurde aber deutlich, dass es unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, wie dieses Zeugnis aussehen soll und welches Ziel es hat.

Plenumsdiskussion

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